LEBENSRÄUME

Auf dem Gemeindegebiet von Gansingen finden sich im Siedlungsraum, im Landwirtschaftsgebiet und im Wald verschiedenste Lebensräume für zahlreiche Pflanzen, Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere. Neben der Qualität des einzelnen Lebensraumes ist eine wirksame Vernetzung der Gebiete von entscheidender Bedeutung.

ÜBERSICHTSKARTE

Amphibien, Libellen

WEIHER

 

Der Naturschutzverein betreut drei Weiherstandorte am Bürerberg, in Schlatt und neben dem Steinbruch in Röt. Die Gewässer haben unterschiedliche Wassertiefen, sind teilweise offen oder mit Schilf bedeckt. In Gansingen sind vor allem der Grasfrosch und die Erdkröte anzutreffen. An einem Standort ist seit einigen Jahren auch die Geburtshelferkröte wieder heimisch. Neben den Amphibien sind die Standorte auch Lebensraum für verschiedene Libellenarten. Angrenzend an die Weiher werden wenn immer möglich Kleinstrukturen wie Trockenmauern, Hecken, Asthaufen, Schnittguthaufen und dergleichen angelegt.

Geburtshelferkröte, 2014

Wiesen auf Diät setzen

FROMENTALWIESEN

 

Fromentalwiesen sind wenig intensiv genutzte, blumenreiche Dauerwiesen. Fromentalwiesen werden ab dem 15. Juni das erste Mal gemäht und Ende Sommer ein zweites Mal. Abwechselnd wird ein Teil der Wiese jeweils nicht gemäht und dient als Rückzugsstreifen. Die grösste vom Naturschutzverein bewirtschaftete Wiese befindet sich am Bürerberg. Weitere auf Hinter Gugli und auf dem Chaisacher. Die von uns bewirtschafteten Fromentalwiesen werden nicht gedüngt und das Schnittgut wird in Form von Heu jeweils von einem Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Die Wiesen werden sozusagen auf Diät gesetzt und sollen langfristig nährstoffarmer werden, um die Artenvielfalt zu begünstigen.

bis zu 50 Pflanzenarten auf einem Quadratmeter

MAGERWIESEN

 

Magerwiesen sind artenreiche Wiesen, welche auf einem nährstoffarmen Boden wachsen. Pro m2 Wiesenfläche kommen bis zu 50 Pflanzenarten vor. Magerwiesen werden ab dem 1. Juli geschnitten und nur ein Mal pro Jahr gemäht. Das Schnittgut wird entfernt, um einen zusätzlichen Nährstoffeintrag zu verhindern. Auf einzelnen Magerwiesen in Gansingen sind auch verschiedene Orchideenarten anzutreffen.

Magerwiese, 2018

Wein und Lebensraum

REBBERG

 

Der Naturschutzverein bewirtschaftet seit 2004 einen eigenen Rebberg. Die Reben der Sorte Direktträger müssen nicht gespritzt werden. Ein möglichst natürlicher, artenreicher Unterwuchs mit alternierend geschnittenen Fahrgassen kann als wertvoller Lebensraum dienen und die übermässige Vermehrung verschiedener Schädlinge verhindern. Schädlinge finden entweder im Unterwuchs genügend "Ersatznahrung" oder werden durch im Unterwuchs lebende Jäger erfolgreich dezimiert. Durch Trockenmauern, oder zusätzliche Asthaufen wird der Lebensraum weiter aufgewertet.

Rebberg mit vorgelagerter Trockenmauer, 2017

Ruderalflächen für Pionierpflanzen

REBBERG-TERRASSEN

 

Ein ehemaliges Rebgrundstück wurde vom Naturschutzverein gekauft und mit Trockenmauern terrassiert. Die Ruderalflächen sind Lebensraum für verschiedene seltene Pflanzen- und Insektenarten. Auf den Mauern lassen sich Zauneidechsen von der Sonne wärmen.

Rebbergterrassen, 2017

das ganze Leben in der Luft

MAUERSEGLERKOLONIEN

 

Unter dem Vordach des neuen Schulhauses befindet sich eine Mauerseglerkolonie mit ca. 20 Nistplätzen. Die Nistplätze sind von Anfang Mai bis Anfang August voll besetzt. Als Ergänzung zu dieser Kolonie wurden 2013 auf der angrenzenden Wiese weitere Nisthilfen für Mauersegler und Mehlschwalben in Form eines Schwalbenhotels bereitgestellt. 2018 wurde das Schwalbenhotel erstmals von Mauerseglern besetzt. Beim alten Schulhaus im Dorkern befinden sich weitere Nistplätze, welche ebenfalls gut besetzt sind.

Nestmaterial Mauersegler, 2017

Nachtaktive Jäger

FLEDERMÄUSE

 

Auf dem Chaisacher befindet sich ein Winterschlafquartier für Fledermäuse in einem ungenutzten Stollen. Der Zugang ist mit einem Tor verschlossen um die Tiere nicht zu stören. Seit einigen Jahren sind über den Sommer auch in Galten wieder eine stattliche Anzahl von Tieren anzutreffen.

Stollenzugang Chaisacher, 2018

Auf den Unternutzen kommt es an

OBSTGÄRTEN

 

Obstgärten mit Hochstamm- Obstbäumen sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Insekten und Vögel. Neben den Bäumen spielt auch der Unternutzen eine wichtige Rolle. Extensiv genutzte Wiesenflächen oder einzelne abgestorbene Bäume bieten Nahrung und Unterschlupf.

Obstgarten Bannhalde, Gansingen, 2018

Trittsteine im Landwirtschaftsgebiet

HECKEN

 

Hecken bieten ein ganzjähriges Nahrungsangebot, bieten Schutz und Lebensraum, können verschiedene Lebensräume innerhalb einer Landschaft vernetzen und können dienen als Verbindungsweg für Waldtiere. Hecken verfügen idealerweise über einen vorgelagerten Krautsaum, einem Bereich aus kleineren und grösseren Sträuchern, allenfalls ergänzt mit einzelnen Bäumen. Liguster, Pfaffenhütchen, Holunder-  und Schneeballarten, ergänzt mit dornentragenden Sträuchern wie Schwarzdorn oder Heckenrosen, welche genügend Schutz vor Fressfeinden bieten, sind ideale Heckenpflanzen.

Hecke Winterhalde, das erste Drittel wurde vor Kurzem auf den Stock gesetzt, 2017

Sonnendecks für Zauneidechsen

TROCKENMAUERN

 

Trockenmauern bieten Unterschlupf und Lebensraum für Amphibien, Echsen und Insekten. Bei den Weihern am Bürerberg bieten die zahlreichen Mauern Schutz für die Geburtshelferkröten.

Trockenmauer bei den Weihern am Bürerberg, 2017

kleiner Aufwand, grosse Wirkung

KLEINSTRUKTUREN

 

Kleinstrukturen übernehmen zahlreiche wichtige Funktionen für Amphibien, Schlangen, Säugetiere und Insekten. Sie sind Lebensraum, Trittsteine in der Landschaft, Kinderstube, Winterquartier und bieten Schutz vor Feinden.

Ast- und Schilfhaufen bei den Weihern am Bürerberg, 2017

Lesesteinhaufen am Rand einer Fromentalwiese am Bürerberg, 2017

idealer Standort für Nisthilfen

WALDRÄNDER

 

Waldränder sind für viele Arten wichtige Lebensräume. Raumgreifende, strukturreiche Waldränder mit einem Saum, einem Mantel aus Sträuchern und Büschen und erst dahinterliegend mit kleineren und grösseren Bäumen sind ungemein wertvoller als Waldränder ohne diese Strukturen. Entlang der Waldränder bewirtschaftet der Naturschutzverein rund 350 Nisthilfen. Diese werden vor allem von Meisenarten rege genutzt. Eine zu hohe Dichte an Nisthilfen sollte ebenfalls vermieden werden, um die Artenvielfalt an Insekten, wie zum Beispiel Schmetterlingsarten,  nicht zu gefährden.

Waldrand Hinter Gugli mit neu erstellten Buchten, 2018

Vielfalt zulassen

NATUR IM SIEDLUNGSRAUM

 

Die Artenvielfalt im Siedlungsraum kann oft mit einfachen Mitteln gefördert werden. Pflanzen sie wann immer möglich einheimische Pflanzen und Sträucher, lassen Sie da und dort ein Stück Blumenwiese anstelle von Rasen wachsen oder befestigen Sie Nisthilfen im Garten oder an Ihrem Haus. Jede noch so kleine Massnahme trägt dazu bei, neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel bereitzustellen.

Schwalbenhotel für Mehlschwalben und Mauersegler,  Schulanlage Gansingen